bestandsaufnahme

Ein mumifizierter Vogel, ein alter Damenschuh, mit Pigmenten in ihrer Erscheinung neutralisierte und durch eine Metallstange zusammengepresste Bücher oder langsam verfaulende Äpfel am Wegesrand werden von Herwig Prammer in ihrer Bedeutung und Aussagekraft zu einem neuen Sinn geführt, wenn er sie losgelöst von ihrer ursprünglichen oder gefundenen Umgebung, gleichsam als Skulptur in einem anderem Zusammenhang interpretiert. Es ist eine Bestandsaufnahme der Dinge seines Umfeldes, die er in und rund um seinen alten Bauernhof, der nun sein eigen ist, in den Scheunen oder Dachböden aufgefunden hat und zu ästhetischen Gebilden somit neu formt. 

Es sind Erinnerungen und Relikte der Vorbesitzer seines Hauses, die aber nicht die Frage nach: Wer hat hier gelebt?, sondern vielmehr: Was haben sie vergessen und ist übrig geblieben?, stellt. Herwig Prammer verortet sich nun in seinem Bauernhaus und dessen engeren landschaftlichem Zusammenhang, indem er sich bewusst mit dessen Vergangenheit auseinandersetzt. Es bedeutet nicht nur ein Respektieren des Vorhandenen, sondern auch eine Komplexität seiner eigenen Gegenwart und Zukunft mit den Fragen nach dem status quo und vor allem jener nach quo vadis?
 

Gabriele Baumgartner, Kunsthistorikerin, Kuratorin

© 2020 herwig prammer